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Martinisommer
Ein Gastspiel des "Theater in der Altstadt" Gastspiel im Rahmen des Dramatiker Festivals 2006
27./28. Mai und 1./2. Juni 2006, 20 Uhr
Ein Mann, der zwölf Mal im Jahr berührt wird. Von seiner Friseurin. Eine Mutter, die leidet. Ein Junge aus dem Jenseits, der Gespräche mit dem Mann/Nachbarn und der Mutter führt. Die Dialoge kreisen, kurzatmig und ohne Pathos, um das Schreckliche: die Ermordung des fünfzehnjährigen Sohnes.
Das Stück "Martinisommer" thematisiert eine Trauer, die so intensiv real ist, dass alles andere nicht mehr wirklich sein kann. Imagination vermischt sich mit Zeit und Raum, der Schock bohrt sich in die Verdrängung und lässt auferstehen, was schon nicht mehr wahr ist. In einer Radioshow am Nachmittag berichtet die Mutter über den Mord und den noch nicht ermittelten Mörder.
Alle Peinlichkeit existiert nicht mehr. Als der Mann vor der Tür steht, um die Miete zu kassieren, will sie sich wieder als Frau fühlen. Verstörend ist nicht nur der Mann, der seinen Puppen gern die Augen entfernt, sondern vor allem die Tatsache, dass ein Toter über seine eigene Ermordung spricht - und das in einer Abgeklärtheit, welche die Gewalttat umso fürchterlicher macht.
Der gesamte Text ist eingehüllt in die Frage nach dem Warum, die jedoch nicht beantwortet wird. Gerade davon lebt das Stück. Am Ende ist die Mutter "eigentlich tot", wie der lebendige tote Sohn dem Mann berichtet.
Fotodownload:
(1) Martinisommer, Christina Khuen, Foto: Andreas Marini
(2) Martinisommer, Christina Khuen, Foto: Andreas Marini
(3) Martinisommer, Paul Demetz, Foto: Andreas Marinid
Martinisommer von Toni Bernhart
mit: Christina Khuen, Sabine Ladurner
und Paul Demetz
Regie: Torsten Schilling
Bühne und Kostüme: Helfried Lauckner
| Toni Bernhart: geboren 1971 in Meran, aufgewachsen in Südtirol, Studium der Germanistik und Theaterwissenschaft an der Universität Wien, Promotion an der Humboldt-Universität Berlin, derzeit Postdoktorand im Graduiertenkolleg der Universität der Künste Berlin, seit 1990 als Autor tätig, lebt in Berlin. Er schrieb unter anderem Stücke wie “Liebeskontor“, „Lasamarmor“, „Langes afn Zirblhouf“ oder „Monolog eines Reiseführers zulasten des Busfahrers“. Außerdem schreibt er Prosatexte und Hörspiele. |
Westbahntheater, 27./28. Mai und 1./2. Juni 2006, 20 Uhr
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